NÜRNBERG im K4, Blues-Will-Eat Festival am 05.04.2003

NÜRNBERGER NACHRICHTEN
vom 10.4.2003

...ein Meilenstein...

Blues-Will-Eat Festival in Nürnberg

Uncle Harry erzählt gerne Geschichten. In der einen Hand die Trompete, die andere auf Klaviertasten, den Schnauzbart dicht am Mikrofon garniert er diese Anekdoten mit New-Orleans-Jazz aus der Kinderstube des Blues. Bei bekannten Gassenhauern wie »Blueberry Hill« singt und swingt das K4-Hinterzimmer ein Highlight beim elften »Blues will eat«-Festival.

Neben Uncle Harry liefert die »Down Home Bluesband« eine bemerkenswerteVorstellung ein Streifzug durch die Historie des elektrischen Blues: eineBand, die sehr dichte Atmosphäre verbreitet. Nach »Voodoo Chile« (harte Bluesrock-Fetzer), »Bluesong« (intensiver Blues und Balladen), Günter Stössel und Miller the Killer (Knoblauchslandkalauer und an Witz nichts Neues)

setzt die »Omni Blues Band« einen Meilenstein:
Mundharmonikaspieler Albert Koch und Sängerin spielen sich gekonnt die Bälle zu. Und die Stimme von Linda Schmelzer ist allein das Eintrittsgeld wert. Gänsehautfeeling ist bei ihrer Blues-Art garantiert.



»Rusty Nails« (hart und herzlich), die »NC Brown Blues Band« (entspannter Klassiker mit kraftgeladener Bühnenshow) und Groovemaster Hajak mit Luigis Home Cooking überzeugen in den überfüllten Sälen des Künstlerhauses, wo 1100 Besucher neuen Rekord bedeuten. Für den unbestrittenen Höhepunkt des stark besetzten Festivals sorgen Karen Carroll und Friends im Hinterzimmer, dem Club für starke Stimmen: Jazziger Blues, gut aufgelegte Sängerin, atemberaubende Show, Blues vom Allerbesten die Festival-Krönung!






 

 

 

 

 

 

 

Blues-Will-Eat Website vom 10.4.2003
Die ungekrönte Königin...

Blues-Will-Eat Festival in Nürnberg
 
Die Stimme von Linda Schmelzer muss wohl auch dann noch wohlige Gefühle auslösen, wenn sie jemandem befiehlt, den Müll runter zu tragen. Wie viele der männlichen Besucher des Blues Will Eat deshalb spontane Heiratsgedanken hegen, wurde nicht bekannt. Die starke Darbietung der Omni Blues Band um Linda Schmelzer geriet zu einem der Highlights im K4. Im Wechselspiel mit dem agilen Mundharmonikaspieler Albert Koch und der soliden Band glänzte die „Hoochie Coochie Woman“ mit Ausstrahlung und ihrer besonderen Vocal-Show.

1100 Besucher knackten den letztjährigen Besucherrekord und hatten ausreichend Gelegenheit bei Blaukraut, Schweinebraten und insgesamt 10 Bands auf drei Bühnen, in gelungener Kombination Entertainment zu genießen. Die Opening Acts Voodoo Chile, eine harte, durchschlagskräftige Bluesrockvariante, Bluesong – das Höpfl & Höpfl Projekt mit gefühlvollen Balladen und als perfekter Wegbereiter für die übliche intensive Hinterimmerstimmung und die Down Home Blues Band mit ihrer gelungenen, atmosphärisch sehr dichten „Best of Blues Show“ boten allesamt in ihrer jeweiligen Sparte einen gelungenen Auftakt. Die NC-Brown Blues Band legte energiegeladene Songs nach beim Klassentreffen der 60er und 70er Szene. Keinen Quadratzentimeter Platz mehr im Festsaal, ließen sie, mit wuchtigem Doppelschlagzeug ausgestattet, die Tanz-Schweißtropfen fließen. Das hatte mächtig Power und doch legte Groovemaster Franz „Luigi“ Hajak noch ne Schippe drauf. Im stetigen, ureigenen Home Cooking Rhythmus marschierte man gen Partystimmung pur. Selbst politische Statements flossen ohne Zeigefinger und ohne Spassverlust in die Texte ein. Der Festsaal swingt!

Im Hinterzimmer dokumentierte derweil Kamerafrau Karin Sand Ehemann „Uncle Harry“ bei seinen Geschichten aus New Orleans & Jazz. Im unverwechselbaren Stil – einhändig am Piano, die andere Hand an der Trompete – gelang der Streifzug durch die Musikhistorie bei konzentrierter Atmosphäre und spontanem Mitgesang der motivierten Zuhörer. Zwischen Blue Berry Hill und dem French Quarter spazierte Uncle Harry alias Harald Sand mit der Attitüde des charmanten New Orleans Dandy und übergab an die Knoblauch Country Rambler Miller the Killer und Günter Stössel. Musikalisch wenig aufregend, inhaltlich noch weniger innovativ gab es ein Best of Stössel Programm aus den letzten 25 Jahren. Wem`s zuviel wurde, wechselte zur Omni Blues- oder NC Brown Blues Band oder später zu den Rusty Nails und härtete die Gehörgänge bei Bluesrock satt ab. Den genialen Schlusspunkt setzten jedoch Karen Carroll und Christian Rannenberg mit jazzigem Blues vom Allerfeinsten. Karen Carroll, die in der Clubatmosphäre exakt in ihrem Element zu sein scheint, übergibt zwischendrin an Mutter Jeannie und Tony Bullock, Quincy Phelps untermalt locker dynamisch mit dem Bass. Die entspannte Session-Show zeigte musikalisch höchstes Niveau, durchschlagende Emotionen und den Blues in seiner ganzen Intensität. Was hier dokumentiert wurde, setzte einen besonderen Glanzpunkt in der Geschichte des BWE-Festivals. Blues in seiner ursprünglichsten Form, mit bestaufgelegtesten Protagonisten von fantastischer Qualität. Noch ein Wort zu Jeannie Carroll: die Grand Dame aus der Billie Holliday Ära verfügt über eine kraftvolle Professionalität die ihresgleichen sucht. Sie war wohl die ungekrönte Königin des Abends.
Das BWE 2003 bewies einmal mehr, dass es eine exzellente Adresse für Bands aller (Blues-) Couleur ist, die regionale Szene sich stets positiv entwickelt und auch ohne echte Headliner Qualität zum Anfassen geboten wird. Die Nähe zwischen Kunst und Konsument bei mehr als fairen ¤ 15.- ist sicher das große Plus (Blues) des Blues Will Eat.

Ted Hertle

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