Frankfurt / BLUES & BEYOND

Frankfurter Rundschau
Vorschau vom 11.08.2001
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Frankfurter Rundschau
Nachbericht vom 13.08.2001
Heute zum Orgelblues mit Dave Baldwin

Dave Baldwin & Omni - Blues Band
Euro-Sternschnuppe

Ein "geheimes Highlight" ist für den heutigen Abend in Frankfurt Blues & Beyond angekündigt. Ganz spontan, quasi zum Warmspielen für seine Tourneen mit Chris Farlowe und Van Morrison, hat sich der britische Keyboarder Dave Baldwin mit der Omni-Blues-Band angekündigt.


Baldwin, 38, ist festes Mitglied der Norman Beaker Band und gilt als einer der besten britischen Hammond-Orgel-Spieler. Neben seinem Dauer-Engagement bei Farlowe spielte er bei Mick Abrahams ("Mick`s Back"), John Price und Ruby Turner - ein Brit-Blueser der zweiten Generation trifft hier also auf eine der best-gelaunten Blues-Kapellen Deutschlands, die sich rund um den Wuerzburger Blues-Club Omnibus gründete.

Wie ihr prominenter Gast Baldwin, der auch schon bei Aerosmith mitarbeitete, macht die ehemalige Club-Band um Sängerin Linda Schmelzer, die inzwischen mehr als 100 Konzerte in ganz Deutschland absolvierte, gern "Ausflüge in andere Stilrichtungen rund um den Blues herum". Ausflugsziel diesmal: Blues&Beyond, Frankfurt, Bergerstraße 159 (Beginn:21 Uhr). pin

 

 

 

 

 

 

 

 

Die gelungene Darbietung des Genres Rhythm&Blues, wie sie die Würzburger Omni-Blues-Band im Verein mit dem britischen Keyboarder Dave Baldwin am Samstag im Club Blues & Beyond in Frankfurt, Bergerstrasse bot, war eine kleine Sternstunde.

Die Omni-Blues-Band ist vor drei Jahren in einem Club in Würzburg entstanden, als in Frankfurt das Blues & Beyond gerade seine schmale Pforte öffnete, um auch lokalen Talenten eine Bühne zu bieten, die durch Gastkonzerte internationaler Stars ihre Weihen erfährt.

In Würzburgs Lokal Omnibus bildete sich damals eine funktionierende Band, die jetzt einen großartigen Gast (der sich auch als Gast begriff) nach Frankfurt mitbrachte und einfach drauf los spielte. Alle Standards, von "Mustang Sally" bis "Red House Blues", ein Griff in die Klamotte, aber mit Verve gespielt und handwerklicher Finesse.

Gunnar Olsen, Schlagzeuger und Gruppengründer, ist eine Wucht:
Wie er es versteht, aus einer dem eher zum Klöppeln verleitenden Zwölf-Takt-Schema interessante Figuren zu schaffen, verdient Prädikat. Bassist Chui Lang machte es ihm mit seiner stoischen Art auch leicht.

Gitarrist Mike Viertel hätte vielleicht manches Jimi-Hendrix-Riff zu Hause lassen sollen, bot aber immer noch eine Leistung wie aus dem Blues-Bilderbuch: rhythmus-dienlich bis ins kleinste Lick, herausfordernd verschroben in manchen solistischen Passagen. Die Stimme der Sängerin war etwas zu leise abgemischt, aber sie führte dennoch vor, dass weiblicher Gesang im Bluesrock nicht im Gekreische enden muss.

Der Blues kommt zwar aus dem Süden aber in England aus dem Norden. Knapp südlich von Schottland geboren, in Birmingham, hat Stargast Dave Baldwin offenbar alle Lektionen der Zeiten von Brian Auger, Steve Winwood, Eddie Hardin und Colosseum mit der Babynahrung aufgenommen. Mangels eines Leslie-Verzerrers spielt er klingende Hammond-Vibrati mit 32stel-Wechselschlägen beider Hände. Kein Wunder, dass alte Recken wie Chris Farlowe den 38-jährigen als Ausnahmetalent für ihre Musik einsetzen. Er schafft die ersehnten Klänge selbst mit Heimorgel-Equipment.

Es war ein Abend des Euro-Blues: authentisch und in der Gemeinsamkeit der Sehnsüchte dies-und jenseits des Kanals. White Blues in der Nacht zu St. Laurentius - eine Sternschnuppe. pin